Schule gegen Rassismus - Schule mit Courage

Für das Bemühung und das Versprechen, sich aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung zu engagieren, wurden die Schüler der Grundschule Priesendorf-Lisberg und der Mittelschule Walsdorf gewürdigt. (Bericht von Judith Wagenhäuser)

Sabine Gerstner überreicht den Schülern die Urkunde. Rechts Bürgermeister Berggrab. (Foto: Barbara Herbst)
„Keiner geht uns an unserem Tisch verloren. Hier ist jeder gleich": Diesen Vers sangen die Viertklässler der Grundschule Priesendorf-Lisberg nach der Urkundenüberga­be. „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" darf sich ihre Schule seit Freitag nennen. Die Urkunde übergab Sabine Gerstner, Regionalkoordinato-rin des gleichnamigen Projekts.

Tägliche Verpflichtung
Das aktive Schülerengagement wurde außerdem gewürdigt durch die Anwesenheit von Landrat Johann Kalb, des Land­tagsabgeordneten Heinrich Rudrof, der Leiterin des Bam­berger Schulamts, Barbara Pfla­um, und des Lisberger Bürger­meisters Michael Bergrab als Projektpaten.

Schulleiter Alexander Pfister sprach in seiner Begüßung von einem „Beitrag zu einer friedlichen Welt mit einer Willkommenskultur für Flüchtlinge". Daran solle das mit der Auszeichnung erhaltene Schild am Eingang fortan jeden erinnern, der die Schule betritt. Landrat Kalb nannte es „einen besonderen Tag für die Schule", da diese sich dem Artikel Eins des Grundgesetzes - „die Würde des Menschen ist unantastbar" - im Speziellen verpflichtet habe und damit Vorbild für weitere Schulen der Region sei. Besonders in Anbetracht der aktuellen Ereignisse in Paris habe die Schule damit ein Zeichen gesetzt und deshalb großen Respekt verdient.
„Mir als Politiker liegt der Kampf gegen Rassismus nicht nur durch den Staat, sondern durch jeden Einzelnen am Herzen", sagte MdL Heinrich Rud­rof (CSU). Er ermahnte die Schüler, Probleme gemeinsam zu lösen und die deutsche NS-Vergangenheit nicht zu verges­sen. Die fachliche Leiterin des Schulamts, Barbara Pflaum, be­tonte, es sei wichtig, Schüler zu sensibilisieren für die Entschei­dung darüber, wann Spaß auf­hört und Diskriminierung be­ginnt. Diese Fähigkeit werde durch das Projekt gefördert.

Eine bunte Welt
Viele Gedanken hatte sich Projektpate Michael Bergrab gemacht: Mit einem grünen Quadrat, einem blauen Rechteck und einem roten Kreis aus Papier verdeutlichte er, wie bunt unsere Welt sein kann und wie alle profitieren, wenn sie andere Menschen offen aufnehmen und niemanden ausschließen. „Jeder gehört in unsere Gesellschaft, will ich euch damit als Begleiter und Beschützer mitgeben."
Die Schülersprecher Laura Denzler, Francesca Scheler und Georg Meißner aus verschiedenen Jahrgangsstufen betonten in ihrer gemeinsamen Rede, wie sie die Projektziele und die aktive Schülerbeteiligung überzeugt haben. „Wir wollen alle Flücht­linge herzlich willkommen hei­ßen, Probleme gemeinsam lösen und einander achten", sagten die Drei.

Das größte Schulnetzwerk Deutschlands mit dem Namen „Schule ohne Rassismus - Schu­le mit Courage" will Schüler mo­tivieren, das soziale Miteinander an ihrer Schule selbst zu gestal­ten. 1995 wurde das Projekt durch den Trägerverein Aktion Courage e.V ins Leben gerufen und mittlerweile können sich 1900 Schulen „Schule ohne Ras­sismus - Schule mit Courage" nennen. Besonderer Fokus liegt darauf, gegen Diskriminierung, Mobbing und Gewalt vorzugehen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen.

Doch der Titel ist nicht leicht verdient: 70 Prozent der Schüler sowie des Schulpersonals müssen sich per Unterschrift dazu verpflichten, gegen Diskriminierung an ihrer Schule vorzugehen sowie regelmäßig Projekte zur Prävention und Aufklärung durchzuführen. An der Priesendorfer Grund- und an der Walsdorfer Mittelschule unterzeichneten jedoch alle Schüler und das ganze Schulpersonal, was nicht selbstverständlich ist, weiß Sabine Gerstner. Wichtig ist den Pro­jektträgern, den Titel nicht als Preis oder Auszeichnung, sondern als Selbstverpflichtung für die Zukunft zu sehen. Aufgerufen seien dazu alle Schulen, von der Grundschule bis zum Gymnasium.
Obwohl die Schüler aus Eigeninitiative auf das Projekt aufmerksam werden und dieses selbständig organisieren sollen, unterstützen Kooperationspartner wie die Bundeszentrale für politische Bildung durch vielfaltige Angebote, beispielsweise Antirassismus-Trainings für Klassen, die Schulen. Sabine Gerstner überreichte die Urkunde mit dem Satz: „Hier hat mich heute die Gestaltung dieser Veranstaltung spüren lassen, dass eure Verpflichtungen nicht nur leere Worte sind." Denn untermalt wurde die Veranstaltung durch verschiedene musikalische Schülerbeiträge passend zum Motto des Projekts „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".